Traumatherapie

Die moderne Traumatherapie stellt einen neuen Ansatz in der therapeutischen Arbeit mit  traumatisierten Menschen vor. Die komplexe und oft therapieresistente Traumasymptomatik verlangt nach einem speziellen Zugang mit Einbeziehung des Körpers und des vegetativen Nervensystems. Die Methode ermöglicht durch geförderte sensomotorische Wahrnehmungsfähigkeit der Klienten, durch Imagination und Beziehungsarbeit eine Neuorientierung, sodass die in den Symptomen gebundene Energie freigesetzt und zur Heilung genutzt werden kann. Die zerbrochenen Verbindungen zum Selbst, zum Körper und seinem Selbstheilungspotential, zu den eigenen Ressourcen und Fähigkeiten, sowie zur  Gegenwart  werden wieder hergestellt. 
Traumaheilung findet immer im Hier und Jetzt statt. Wir können das Trauma zwar nicht  beseitigen, wissen aber heute, dass wir mit Hilfe traumazentrierter Behandlungsmethoden im Hirnstoffwechsel Veränderungen herbeiführen können, sodass Trauma auf  neue Art metabolisiert und damit integriert wird.  
Die blockierten Überlebensreflexe (Orientierungs-, Kampf- und Fluchtreflex) werden regeneriert und der Organismus gewinnt wieder seine natürliche Flexibilität und  interaktive Selbstregulationsfähigkeit. Der Körper kann aus seiner Überaktivierung (Hyperarousal) oder Erstarrung (Freeze) langsam herauskommen und so erst Distanz  schaffen zu dem traumatischen Ereignis, das ja in der Vergangenheit liegt und dieses auch als vergangen erleben und somit neu bewerten.  
Im Zuge dieses Prozesses lernen die Klienten, sich in ihrem Körper wieder sicher zu  fühlen und den Alltag besser zu bewältigen. Oft können einige Sitzungen schon erhebliche Verbesserung und Erleichterung der Symptomatik bewirken.
Zu Beginn der Traumatherapie wird vermieden, nochmals in das traumatisierende  Ereignis einzutauchen. Erst wenn genügend Ressourcen aufgebaut und die Klienten imstande sind, das Traumamaterial zu steuern und zu kontrollieren ist eine  Traumaexposition sinnvoll. Dabei werden die Hyperaktivierung und die Fixierung des gesamten Organismus auf das traumatische Ereignis vorsichtig aufgelöst. Zu frühes oder zu schnelles Durcharbeiten einer Traumasituation kann retraumatisierend wirken, Traumaexposition ist nur bei ausreichender Stabilität und guter Arbeitsbeziehung ethisch vertretbar.

Die Erfahrung, dass Traumaheilung immer auf der Aktivität eines psychischen Selbstheilungsprozesses beruht, gekoppelt mit einer weiteren wichtigen Erfahrung,  nämlich der, dass Emotionen nicht nur bei der Krankheitsentstehung, sondern auch bei Heilungsprozessen eine wesentliche Rolle spielen, bilden weitere wesentliche Grundlagen. Die negativen traumatischen und die positiven gesunden Erfahrungen stehen sich gleichsam gegenüber, sie bilden ein bipolares Prinzip. Die positiven Erfahrungen der Person werden auch als Ressourcen bezeichnet. Ein gutes Gefühl für die eigene Gesundheit, also ein guter Kontakt zu diesen Ressourcen ist für erfolgreiche Heilungsprozesse von größter Bedeutung. Die Beschäftigung mit ungelösten Problemen bildet deshalb nur eine Seite der Traumatherapie. Das Neuorganisieren und Erweitern der eigenen Ressourcen ist ein exakt genauso wichtiger Bereich.   
Trost, Mitgefühl und Anerkennung durch die Therapeutin können ebenso wesentlich zur  Heilung beitragen. Auch wenn wir das Geschehene nicht ungeschehen machen können, so können wir aber gemeinsam mit den Klienten das Unrecht benennen und so das oft  Unvorstellbare, das diesen Menschen widerfahren ist, anerkennen. Nicht selten geschieht dies in einer Therapiesituation zum ersten Mal.   

Man kann also von 4 Phasen der Traumabehandlung sprechen: 

  • Stabilisierungsphase 
  • Ressourcenorganisation  
  • Traumaexposition  
  • Neuorientierung